40_Autismus verstehen: Warum Akzeptanz der Schlüssel zur Inklusion ist

Shownotes

Was bedeutet es, die Welt anders wahrzunehmen? Und was braucht es, damit autistische Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können? Autismus ist für viele Menschen noch immer mit Vorurteilen und Missverständnissen verbunden. Dabei geht es oft nicht darum, dass autistische Menschen nicht dazugehören wollen, sondern darum, dass ihnen die passenden Rahmenbedingungen und Möglichkeiten fehlen.

In dieser Folge von DIA-LOG spricht Gee Vero, Künstlerin, Autorin und selbst Autistin, über ihre persönlichen Erfahrungen und ihren Alltag mit Autismus. Sie erzählt, wie sie ihre Umwelt wahrnimmt, warum Kommunikation häufig zu Missverständnissen führt und welche Bedeutung Akzeptanz, Geduld und gegenseitiges Verständnis haben. Außerdem gibt sie Einblicke in das Leben ihres Sohnes Elijah, der einen hohen Unterstützungsbedarf hat, und erklärt, was es braucht, damit echte Begegnungen und gesellschaftliche Teilhabe gelingen können.

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00:00:03: Herzlich willkommen zu Dialog, dem Podcast des Diakoniwerks.

00:00:15: Der Podcast begleitet das Unternehmen auf seinem Weg des Wandel.

00:00:19: Wir sprechen über den aktuellen Transformationsprozess im Diakoniverk und beleuchten Veränderungen und Herausforderungen.

00:00:27: Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die den Wandel gestalten und ihre Perspektiven mit uns teilen.

00:00:34: Heute ist jemand ganz besonderes zu Gast im Podcast.

00:00:39: Sie ist Künstlerin, Autorin und Autistin.

00:00:43: Bei Martin Stiftzymbosium in Linz hat sie Einblicke in ihre persönliche Lebenswelt gegeben Und heute möchten wir auch im Podcast daran anknüpfen.

00:00:53: Zu fragen, wie?

00:00:54: Was hilft uns einander besser zu verstehen und was braucht es damit autistische Menschen selbstbestimmt in unserer Gesellschaft dazugehören können?

00:01:05: Liebe Gis, schön dass du bei uns bist!

00:01:08: Es freut mich sehr.

00:01:09: Ich freue mich auch.

00:01:10: mein erster Podcast.

00:01:12: Schön!

00:01:12: First time.

00:01:13: Sehr schön.

00:01:14: Exciting Challenge

00:01:19: Challenge accepted, oder?

00:01:21: Ja diesmal ja.

00:01:22: Aber ich habe mich wirklich Jahre damit schwer getan.

00:01:27: Das kriegen wir schon hin.

00:01:28: Jetzt geht es los!

00:01:29: Sehr gut.

00:01:30: Jetzt bin ich online

00:01:31: sehr gut.

00:01:32: Lieber Guy du bist ja Künstlerin und Autorin und du sprichst öffentlich über Autismus.

00:01:40: was möchtest Du denn das Menschen über dich als Person erfahren?

00:01:47: Nimm uns einmal ein bisschen mit in Deine Welt.

00:01:50: Also erst mal Künstlerin und Autorin, ja ich male gern.

00:01:54: Und ich schreibe so würde ich das eher sagen und ich rede über Autismus Ja!

00:02:01: Und zwar auch deshalb weil mein Sohn Eliya der frühkindlichen Autismus hat und nonverbal ist eben nicht seine Stimme erheben kann und sprechen kann und da habe ich das ein bisschen übernommen.

00:02:15: Was möchte ich dass Menschen von mir erfahren?

00:02:19: In einem Wort alles.

00:02:22: Sie sollen alles erfahren, weil wenn sie nicht alles erfahren werden sie mich nicht kennen.

00:02:27: aber da beginnt schon die Schwierigkeit, da wir ja ich zu Menschen verbal nicht ausreichend mitteilen kann wie es für mich ist Ich zu sein Wie's für mich mit meinem Autismus zu leben.

00:02:41: Dafür bräuchten wir so eine Art neuronales Kabel, das man dann mal kurz hier reinsteckt und bei dem anderen.

00:02:47: Und wir könnten uns gegenseitig austauschen.

00:02:49: ich bin ja genauso interessiert über den Anderen zu erfahren wie es für ihn ist der andere zu sein.

00:02:56: Ich gehe aber nicht mit diesem Gedanken in die Begegnung rein.

00:03:00: also ich denke dass Menschen sich eh das rausnehmen was sie sich herausnehmen wollen und können.

00:03:06: Das kann ich nicht beeinflussen.

00:03:07: Was ich beeinflüssen kann ist was ich von mir zeige was ich von mir preisgebe, was ich erzähle und da versuche ich offen und ehrlich zu sein.

00:03:18: Ich habe das Glück dass sich mich nicht so schnell schäme anscheinend wie andere Menschen und ich denke auch dass dieses schon auch nackt machen ganz wichtig ist um den menschen doch einen Einblick zu geben wie es mit einer ganz anderen Wahrnehmung zu leben.

00:03:38: Bisher überwiegen die positiven Rückmeldungen und ich bekomme sehr oft gesagt, dass sich Menschen sehr viel aus meinen Vorträgen und meinem Schaffen rausnehmen können.

00:03:49: Ob sie da jetzt soviel über mich erfahren?

00:03:53: Das weiß ich nicht!

00:03:54: Aber wir müssen einfach glaube ich damit klarkommen oder uns bewusst machen das wir den anderen egal wie lange wir jemanden kennen.

00:04:02: du kannst dreißig Jahre heiratet sein du kennst den Partner oder die Partnerin.

00:04:07: Trotzdem nie ganz.

00:04:09: Es gibt immer Ecken und Kanten und Nischen in einem Menschen, das muss auch so sein.

00:04:14: Wir müssen Rückzugsorte haben an denen wir niemanden mitnehmen.

00:04:18: Aber ich bemühe mich offen und ehrlich zu sein.

00:04:21: und was sich die Menschen dann rausnehmen, das entzieht sich meiner Kontrolle eigentlich.

00:04:27: Das ist ja nicht nur bei dir im Endeffekt, es ist ja bei allen so?

00:04:31: Man weiß nie was der andere ... Das ist menschlich!

00:04:33: Ja genau.

00:04:35: Das für alle so.

00:04:36: Wir möchten schon bei dem einen oder anderen Menschen gerne mehr wissen.

00:04:40: Und bei anderen will man ja manchmal auch gar nichts wissen, also... Es kommt ja auch immer auf das Gegenüber an, wie weit man sich öffnet.

00:04:49: Ich finde es sehr mutig, dass du eben so offen über Autismus sprichst.

00:04:54: Wann ist denn das gekommen?

00:04:57: Dass du dir gedacht hast, ich möchte offen damit umgehen.

00:05:01: Du hast jetzt deinen Sohn angesprochen.

00:05:03: und war das dann der Auslöser letztendlich?

00:05:05: oder hast du davor schon sehr offen damit Umgegangen?

00:05:10: Ich war ja schon immer autistisch.

00:05:12: Eine Diagnose ist der Zeitpunkt, wo es einen Namen bekommt aber das Sein war da und ich war ein Mensch, der sehr viel Preis gegeben hat.

00:05:20: Immer zuviel erzählt hat, zu tief, zu intensiv.

00:05:24: Schon die Frage wie geht's dir?

00:05:26: habe ich anders beantwortet als man es tun sollte.

00:05:30: Aber der Auslöser war dann eigentlich zwei Jahre nach meiner eigenen Diagnosis, die ich erst spät bekommen hab wo mir aufgefallen ist, dass am Weltautismus-Tag nix passiert.

00:05:41: Null!

00:05:42: Also der Tat den gibt es aber keiner reagiert darauf.

00:05:47: und da habe ich dann gedacht Ich muss irgendetwas tun und habe meinen Art of Inclusion Projekt angestoßen durch eine gesichtshälfte Male was mich sehr beruhigt ein Arzt Stimming Und die dann an andere Menschen weitergegeben haben und hab gesagt begegnet mir auf diesem Blatt Papier und wir zeigen so dass die Begegnung möglich ist und dass wir alle anders sind, dass das vollkommen normal ist.

00:06:12: Und da habe ich angefangen öffentlich über Autismus zu sprechen und dann habe ich gemerkt, dass Menschen wie Elias vergessen werden.

00:06:22: Das sind wirklich vergesse Menschen und ich hab gedacht, ich will aber, dass die Welt auch von den Elias erfährt und weiß wissen, dass es autistische Menschen gibt, die noch ganz wenig Teilhabe haben.

00:06:35: Ja, dann habe ich einfach angefangen auch zu schreiben und habe dieses Buch Autismus meine andere Wahrnehmung geschrieben.

00:06:44: Und dann kamen so langsam Fragen nach würden sie denn da mal zu uns kommen und darüber reden?

00:06:51: Ich dachte eigentlich nicht!

00:06:54: Aber er hat nur so einen Anteil in mir drin der sagt oh ja Bühne das machen wir Und da ging es dann los und das mache ich jetzt seit dreizehn Jahren.

00:07:02: Ja, Hut ab!

00:07:03: Also wirklich großen Respekt auch und ich finde es auch schön dass du dir heute für den Podcast Zeit nimmst.

00:07:10: Du hast ja auch in Linz beim Martin-Stift-Symposium Einblicke in deine Lebenswelt gegeben.

00:07:16: was wird denn deiner Erfahrung nach oft über Autismus gesagt wo du dich selber nicht wieder findest?

00:07:23: Was du nicht bestätigen kannst

00:07:27: Ein Satz, der mich sehr traurig macht ist wenn gesagt wird zum Beispiel auch über Eliya.

00:07:34: Der will gar nicht dazugehören.

00:07:41: Das mit diesem Wollen und Können, diese Verwechslung die da passiert.

00:07:46: Der Elias sehr wohl dazugehören will, der will sehr wohl dabei sein aber er hat die Strategien nicht.

00:07:53: Er ist es know how nicht das können das fehlt ihm.

00:07:55: ich habe sehr viel solcher Strategien und kann deshalb dabei seine Teilhabe haben.

00:08:02: Aber das gibt mir immer wieder einen Stich ins Herzen wenn gesagt auch der will gar nicht.

00:08:07: Der will uns gar nicht anschauen der will das Geschenk gar nicht haben.

00:08:11: Und ich weiß, dass er das will und ganz viele autistische Menschen wollen.

00:08:16: Ich habe allerdings als Kind oftmals auch gesagt, ich will nicht mitfahren auf die Klassenfahrt oder ich will da nicht mit hingehen oder ich bin nicht zu dem Geburtstag aber nicht weil ich nicht wollte sondern weil ich wusste, ich kann das nicht!

00:08:30: Also muss man bei solchen Sätzen immer hellhörig sein.

00:08:33: egal wer sie sagt?

00:08:34: Ich will nicht dazu gehören wir sind menschen Wir sind Herdentiere Da steckt mehr dahinter Da muss man dann genauer hinschauen.

00:08:42: Also das stört mich und was mich auch stört ist, alle Autisten sind Genies und alle Genies waren Autisten.

00:08:50: Das stimmt ja nun auch nicht so weit.

00:08:52: bei mir mag das stimmen Ja?

00:08:54: Bei mir mag dass der Fall sein aber... uns wurde es gesagt wie eine Art Trost als Autist Aber vielleicht is er gerne Genie.

00:09:05: Damit kann ich gar nichts anfangen.

00:09:06: und es löst einen enormen Druck bei ganz vielen autistischen Menschen aus, die solche Fähigkeiten nicht haben.

00:09:12: Und das sind ganz geringe Prozentsätze, die Hochbegabungen und Sonderbegabe haben aber nicht die Breite eben.

00:09:22: Und deshalb würde ich denken, dass man erst mal den Menschen begegnet ihn kennenlernt, ehemals solche Sachen da einfach in der Welt rauspersonen.

00:09:34: Nicht vergessen, wenn ein Mensch nicht mit dabei ist, ist das oftmals nicht weil er nicht will sondern weil er das nicht kann oder nicht schafft.

00:09:44: Du hast das eh vorhin angesprochen ja auch dass du als Kind eben dann öfter auch gesagt hast du willst jetzt nicht mitfahren und so weiter Weil du gewusst hast, du schaffst das einfach nicht.

00:09:55: Was vielleicht für uns normallos unter Anführungszeichen kannst du uns einmal beschreiben was da in dir vorgeht?

00:10:03: Ist dir das dann, wer dir das zu viel geworden oder was war, was ist da der Grund dann für dich warum du so etwas nicht wolltest damals?

00:10:11: Also es ist so dass ich sehr schnell mit Dingen überfordert bin.

00:10:16: Also man hat herausgefunden, dass autistische Menschen dreißig Prozent mehr bewusste Wahrnehmung haben.

00:10:22: Das ist eine ganze Menge und da sind alle Reize die Reinkommen mit gemeint also das ob das Geräusche sind Menschenbewegungen Gerüsche Farben Veränderungen.

00:10:34: also sobald jemand ein Fenster aufmacht verändert sich für mich der Raum komplett und es ist ein neuer Raum Und mein System sucht immer nach unterschieden.

00:10:45: Nicht wie bei euch normalos, sollte es denn den Normalo

00:10:49: geben.

00:10:50: Da sucht das Gehirn nach Gemeinsamkeiten und deswegen entsteht eine Sicherheit in der Situation selbst wenn du sie noch nie erlebt hast.

00:10:58: Diese Situation haben wir beide hier noch nie erlebt.

00:11:00: Du bist ziemlich ruhig.

00:11:04: Ich wirke zumindest ruhig, hoffe ich.

00:11:07: Aber mein System schreit dann... Wir haben das noch nie erlebt!

00:11:11: Das ist potenziell gefährlich und wenn etwas potenziell gefährlich ist, dann ist Fluchtkampfstache Reaktion.

00:11:18: Und dass es nicht was im Alltag hilfreich ist.

00:11:22: Und um das nicht zu erleben… Habe ich mich da rausgenommen und muss auch sagen, Mopping ist natürlich auch zu meiner Kindheit schon ein Thema gewesen.

00:11:31: Da hat man es noch anders genannt.

00:11:34: Also da hieß es nicht Mopping, da haben wir noch Deutsch gesprochen aber das war ja alles da und einfach bin ich dann nicht mit auf Klassenfahrt und bin zu Hause geblieben habe jeden Tag gedacht wie's wäre wenn ich da wäre?

00:11:49: Und da sein könnte so wie die anderen auch!

00:11:51: Ich wollte immer sein wie die Anderen auch.

00:11:53: jetzt hat sich das ein bisschen gegeben.

00:11:56: Jetzt

00:11:56: bin ich mir näher.

00:11:57: Ja,

00:11:58: schön!

00:11:58: Was würdest du sagen?

00:11:59: Wann hast du das erste Mal auch wahrgenommen als Kind?

00:12:03: Dass es ein bisschen anders ist bei dir, gewisse Dinge.

00:12:06: Oh, zeitig!

00:12:08: Zeitig... Ich habe das wahrgenommen schon in der Kinderkrippe.

00:12:11: Ich bin ja eine DDR-Aufgewachsener.

00:12:13: Da ist man mit sechs Wochen ins System gekommen wie man so schön sagt und da hab' ich so mit drei Jahren gesehen dass die anderen Kinder sich nicht bei jedem Menschen, der zum Abholen kommt, freuen.

00:12:26: Sondern nur für sich spezifischen Menschen.

00:12:29: Und da habe ich gesagt, oh!

00:12:31: Ich würde mit jedem mitgehen einfach um hier rauszukommen.

00:12:34: und da hab' ich gemerkt, dass ich mir von den anderen Kindern sehr viel abgucken kann obwohl sie auf manchen Ebenen noch nicht so weit waren wie ich wie Sprache z.B.

00:12:43: verbale Sprache.

00:12:43: aber die hatten halt ein anderes Wissen.

00:12:47: Und das hat mich beeindruckt und mir die Kinder auch wie ein Geschenk offenbart eigentlich, weil ich von denen lernen konnte.

00:12:58: Wo die das her hatten weiß ich nicht.

00:12:59: Ich habe zu meiner Mutter mal gesagt sie gehen noch woanders hin außer in den Kindergarten, wo die Sachen lernen, die ich nicht kann war nicht so.

00:13:08: aber... Und ich hatte das Glück, dass ich mit diesen Kindern ab alter sechs Wochen bis Alter sechzehn Jahre zusammen sein konnte.

00:13:16: Mit dieser spezifischen Gruppe.

00:13:18: Das war mein Anker und die fanden mich auch nicht komisch.

00:13:23: Für die habe ich eben auch zu dieser Gruppe gehört so wie ich eben war.

00:13:26: Und das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben und das ist das Wichtigste was nicht nur ich im Leben brauche.

00:13:33: aber es ist als autistischer Mensch schwerer zu finden wenn der System immer wieder sagt wow Gefahr.

00:13:40: Also sehr früh gewusst, ich bin anders.

00:13:42: Aber da noch nicht gewusst – Ich bin falsch!

00:13:45: Das kann dann erst so in der Schulzeit.

00:13:49: Ja und das «Ich bin falsch» macht natürlich was, gell?

00:13:55: Soll ja nicht zu sein.

00:13:56: Wo würdest du denn sagen, erlebst du im Alltag wirklich eben Missverständnisse auch zwischen dir und nicht-artistischen Menschen?

00:14:05: Was beschäftigt dich da öfter?

00:14:08: Im heutigen Alltag ist es hauptsächlich in der Kommunikation, dass ganz schnell Missverständnisse entstehen.

00:14:16: Obwohl ich ein paar Sprachen spreche und wir sprechen ja heute auch Hochdeutsch, da haben wir uns darauf geeignet damit wir uns beide verstehen verständigen können.

00:14:24: aber bei mir liegen ja die Sprachprobleme beim Sprachverständnis und mein Sprach Verständnis ist bei weitem nicht so gut wie der Output.

00:14:31: das ist zum Beispiel schon fängt bei Mimik und Gestik an.

00:14:36: Das ist jetzt nicht verbal der Kommunikation, aber Mimic und G-Sig sind in der Kommunication ca.

00:14:40: siebzig Prozent, wenn wir uns unterhalten, wo du mir etwas mitteilst über Mimick und Gsig.

00:14:47: Und wenn ich die nicht entschüssen kann, bin ich raus!

00:14:50: Wenn ich als Kind dich nicht mal angucken kann, dann werde ich gleich sofort raus mit siebzisch Prozent

00:14:56: weg.".

00:14:58: Dann sind viele sprachliche Mittel, die Menschen nutzen Unerklärlich, warum?

00:15:02: Sarkasmus und Ironie.

00:15:04: Was bringt das?

00:15:05: Das baut keine Brücke.

00:15:07: Das macht Gräben tiefer.

00:15:09: Und ich erkenne es nicht, weil ich die Intonation nicht wahrnehmen kann.

00:15:12: Da fehlt mir wieder ganz viel.

00:15:15: Dann wird sehr viel in Sprichwörter verpackt.

00:15:18: Schwierig!

00:15:19: Ich habe viele jetzt auswendig gelernt aber als Kind ... Ich hab gedacht, ich spreche eine andere Sprache.

00:15:25: Eine verpackte Sprache, eine Sprache die ich nicht entschüssen kann jedenfalls nicht so schnell wie's im Dialog sein muss.

00:15:33: Und die Menschen sind ungeduldig, immer ungedürtiger werden sie und warten nicht bis der andere das verarbeitet, versteht und dann entsprechend auch reagieren kann.

00:15:46: Das ist sehr schwierig und da entsteht auch eine soziale Angst dass ich schon bevor ich überhaupt rausgehe denke oh hoffentlich verstehe ich den menschen der mich anspricht hoffentlich nimmt er nicht zu viele Sprichworte auf und ich verstehe die Mimik und Gestik.

00:15:59: Hoffentlich erzählt er kein Witz, all solche Sachen.

00:16:04: Aber mittlerweile sage ich mir bei dieser Problematik in der Kommunikation mit mir entsteht meist Humor und Lachen ist was Gutes.

00:16:14: Also tut jedem gut und da nehme ich das schon gelassener.

00:16:18: aber es gibt auch Situationen wo's halt dann schon eher brenzlig wird.

00:16:26: Wo die Leute auch denken Du machst dich über sie lustig oder du nimmst sie nicht ernst und da weile nehme ich nur wirklich, was Sie sagen.

00:16:37: Und ich nehme niemanden auf den Arm zum Beispiel weil die meisten Leute auch viel zu schwer sind.

00:16:43: aber... Da geht das ganz schnell, dass es zu einem Missverständnis kommt und mir sieht man ja den Autismus jetzt nicht an.

00:16:50: Na ja klar!

00:16:51: Man sieht's ja nicht, habe kein Zeichen oder irgendwas an mir Und die meisten Menschen leider interpretieren anstatt nachzufragen.

00:17:03: Sobald jemand nachfragt wird, könnten wir es ja klären.

00:17:05: aber wenn jemand interpretiert und dann für sich darauf reagiert seinen Schlüssel zieht da kann ich nichts machen.

00:17:13: Was ist

00:17:15: dann so?

00:17:15: Ich höre das ja eh raus.

00:17:17: Das heißt, du würdest dir auf der einen Seite mehr Geduld auch wünschen von Menschen die quasi im Umgang mit dir und aber auch mehr Kommunikation, dass man dann wirklich auch aktiv nachfrägt statt sich gleich eine Meinung zu bilden sozusagen

00:17:32: Ja es ist halt schwierig weil die Menschen reden unterbewusst.

00:17:37: Außer sie lernen ne neue Sprache.

00:17:41: wenn ihr jetzt ne Fremdsprache sprichst, die dir noch nicht so gut kannst dann würdest du auch bewusster sprechen.

00:17:46: Überlegst dir, welche Vokabeln brauch ich?

00:17:48: Satzgliedstellungen, Zeitform und all das ist schon schwierig und das ist bewusst.

00:17:53: aber wenn du deine Muttersprache sprichst, spricht du unterbewusst und da kommen die Sprechwörter, da kommt Zarkasmus, da kommen Redewendung, da komm Humor mit rein und all dass und da wird es verschlüsselt und ich kann das eben nicht so gut entschlüssen.

00:18:08: Das heißt im Gespräch mit autistischen Menschen vielleicht doch Ein bisschen bewusster sich sein.

00:18:13: Jetzt spreche ich mit einem Menschen, der spricht zwar meine Muttersprache aber dennoch nicht meine Sprache.

00:18:19: Das wäre schon gut dass man sich eher mal bewusst wird Mit wem man da spricht?

00:18:24: Dass man halt dann die Redewendung erklärt oder das man den Humor auflöst der da entstanden ist Solche Sachen halt oder einfach eben auch ein bisschen länger wartet bis die Reaktion kommt.

00:18:37: Aber ich selber bin auch ein sehr ungeduldiger Mensch.

00:18:40: Also, ich kann das nachvollziehen und ... Ich sag oft zu meinem Mann, komm zum Punkt!

00:18:45: Sag mir nur das Wichtigste!

00:18:48: Also es ist menschlich auch.

00:18:50: Ja... Ich mein du hast jetzt eh schon ein paar Punkte angesprochen was für dich hilfreich wäre weil das bringt mich jetzt zu meiner nächsten Frage noch Was du brauchst wenn du in einer Gesellschaft bist oder in einer Gemeinschaft bist um dich wohlzufühlen und du selbst sein zu können?

00:19:07: Also was ich brauche, ist glaube ich, was jeder Mensch braucht.

00:19:10: Akzeptanz in meinem Sein – es ist sehr anders das weiß ich aber – akzeptanz.

00:19:15: und zum Selbstsein in der Gesellschaft, in der Gemeinschaft ist niemand selbst.

00:19:21: Das wird immer ein bisschen verwechselt, da tragen wir eigentlich alle eine Ichmaske.

00:19:28: Ich habe lange keine gehabt, ich hab mir eine gebastelt und kann deshalb jetzt in die Begegnung gehen.

00:19:33: Für meinen Sohn ist das schon schwieriger.

00:19:36: Der ist eben da immer als selbst unterwegs und stößt da ständig an.

00:19:41: Er spiegelt dem Menschen praktisch das, was sie innen drinnen auch sind.

00:19:46: aber viele Menschen vergessen dass sie nicht etwas getragen und dahinterin selbst isst.

00:19:52: Ich brauche am dringendsten die Akzeptanz.

00:19:54: Das gibt mir sehr viel Sicherheit In der Begegnung.

00:19:58: Und dann ist es immer ein Abenteuer.

00:20:01: Die Begegnung mit einem anderen Menschen immer ein Abenteuer, entweder man lässt sich darauf ein und sagt ja ich gehe das an oder man geht ihm aus dem Weg.

00:20:12: Und ich habe es jetzt geschafft für mich zu sagen Ich geh das an selbst Eliya macht das.

00:20:19: Selbst Eliya geht in die Begegnung mit Menschen und mit seinen wenigen Fähigkeiten und Strategien.

00:20:25: und ob der das so mitbekommt wahrnimmt dass es so oft schiefgeht wir wissen es nicht.

00:20:30: er kann sich hier nicht mitteilen aber er geht immer wieder in das Abenteuer Mensch.

00:20:35: Und ich denke, dass müssen wir auch... Wir sind eine Gesellschaft!

00:20:39: Wir gehören zusammen und wir wollen diese Gemeinschaft besser machen.

00:20:43: Das können wir nur zusammentun.

00:20:45: Deswegen bin ich auch so ein bisschen Autismus-Spektrum.

00:20:49: Ich bin auf dem Spektrum Mensch und bin halt autistisch.

00:20:54: Ja mehr ist es eigentlich nicht.

00:20:57: Du hast es eh gerade angesprochen mit eben manchen Menschen gehen ja dann auch richtig so solchen Begegnungen aus dem Weg, weil sie unsicher sind.

00:21:06: Weil Sie nicht wissen okay wie gehe ich jetzt mit einem Mensch um der autistisch ist?

00:21:10: Was möchtest du solchen Menschen mitgeben die vielleicht auch Angst einfach haben eben einen falschen Umgang zu starten?

00:21:19: oder was würdest Du denen sagen wollen?

00:21:22: Geht einfach rein!

00:21:23: Geht in die Begegnung wenn ihr den anderen kennenlernen wollt lernt ihn kennen Ein bisschen auf eine andere Art und Weise, mein Lieblingsbuch ist der kleine Prinz.

00:21:33: Und da sagt das der Fuchs so schön.

00:21:34: die Menschen haben des Zähmen verlernt dieses Kennenlernen diese sich vertraut machen mit dem anderen in allen Ebenen und sich Zeit geben.

00:21:46: zweite Chancen dritte Chance vierte Chance und keine Angst vor Fehler.

00:21:52: Wir machen immer Fehler in der Begegnung im Beziehung, das ist einfach so.

00:21:56: Aber aus diesen Fehlern können wir lernen.

00:21:58: die sind wertvoll.

00:21:59: Fehler sind nicht Schlimmes.

00:22:01: Das ist eine ganz wertvolle Sache.

00:22:03: und wenn es autistische Menschen sind der in Kommunikation ihr auch versteht und ihr so auch kommunizieren könnt, dass sie verstehen.

00:22:13: Dann redet mit ihnen also redet im Sinne von auch mit Bildkarten oder Zeigegesieb Gebärdensprach.

00:22:19: was er immer an Kommunikations verstanden wird fragt nach und sagt auch ganz offen ehrlich ich habe ein bisschen Schiss Ich hab Angst was falsch zu machen.

00:22:29: warum das nicht aussprechen?

00:22:31: Das ist viel besser als in die Begegnung zu gehen Außen souverän zu wirken und innen eben diese Angst zu haben.

00:22:39: Ganz viele besondere Menschen haben besondere Antennen, eigentlich jeder Mensch.

00:22:43: aber gerade autistische Menschen nutzen dieser Antenne sehr um auszuloten wer ist da gerade vor mir?

00:22:49: Was ist das grade?

00:22:51: sicher also Sicherheit geben nach Gemeinsamkeiten suchen irgendwas zum Beispiel in Linz Linz hat L als Autokennzeichen leibt sich auch werden was gemeinsam.

00:23:03: Da geht's los.

00:23:04: Ja,

00:23:04: schön!

00:23:06: Was wünschst du dir denn von Menschen die autistische Menschen beruflich begleiten?

00:23:12: Das ist ja auch noch einmal eine spezielle Situation.

00:23:15: Ja, also erst mal wünsche ich mir mehr Menschen die autistische Menschen beruflich begleiten.

00:23:21: Da fehlt es ja immer wieder und da würde ich mir wünschen dass sie eine Brücke bauen die der autistischen Mensch betreten kann, die für ihn sicher ist das Sie ihn dort abholen wo er wartet Und das muss nicht unbedingt die Brücken mitte sein sondern das kann sein dass du ein ganzes Stück rüber gehen musst um auf ihnen zu treffen und dann den menschen so abholend dass er mitgehen kann Und dass er seinen Weg gehen kann, also das man da gut aufpasst.

00:23:50: Dass man dem Menschen genügend Freiraum gibt für sein Anderssein und Spielraum für Entwicklung und ja die Umgebung natürlich auch entsprechend anpassen damit dieser Mensch sich entfalten kann.

00:24:05: Das ist auch wiederum bei Eliasow der sehr hohen Unterstützungsbedarf hat.

00:24:12: aber wenn die Umgebung stimmt, dann zeigt Eliya jedes Mal Fähigkeiten und Sachen, die uns immer wieder total verwundern in Erstaunen versetzen.

00:24:23: Also gut gucken!

00:24:24: In welcher Umgebungen kann dieser Mensch gedeihen?

00:24:28: Was braucht er?

00:24:29: Das machen wir also.

00:24:30: mein Mann ist Baumpfleger.

00:24:32: Der guckt auch ganz genau bei den Bäumen.

00:24:34: ist das der richtige Standort für diesen Baum.

00:24:36: Und da muss man eben in Deutschland bei Palmen häufig sagen ne, obwohl in Miami alles gut.

00:24:43: Also wo ist es für diesen Menschen ein guter Platz, dass er gedeihen kann und zeigen kann was er drauf hat?

00:24:52: Blühen kann sozusagen.

00:24:54: Ja, das ist ein schönes Bild, dass du uns da mitgibst.

00:24:59: Ich würde jetzt noch abschließen gerne ein bisschen die Zukunft mit dir schauen.

00:25:02: wenn du an die Zukunft denkst nämlich auch die Zukunft von Ilaya was wünschst du dir denn für das Zusammenleben mit der Normalbevölkerung?

00:25:11: unter Anfangszeichen eben auch für ihn?

00:25:14: Also Eli erlebt ja nicht mit der Normalbevölkerung, er lebt ein Zeit- oder Wohngruppe und das ist ganz gut für ihn.

00:25:20: Aber bei Zukunft ist das immer so eine Sache da wir nur das hier und jetzt haben.

00:25:26: Also Zukunft – Das ist so ein Konstrukt von dem wir gerne sprechen und wo wir es gern besser hätten?

00:25:31: Das ist irgendwie so ein Hoffnungsding.

00:25:34: aber das Wichtige ist denke ich dass wir hier im Moment gucken was können wir verändern?

00:25:38: weil nur hier können wir etwas verändern was vielleicht die Zukunft besser macht.

00:25:44: Und da wünsche ich mir einfach Akzeptanz.

00:25:48: Die Akzeptance ist ein tolles Hilfsmittel, nicht nur für autistische Menschen, die es kostenfrei.

00:25:54: Jeder kann sie einem anderen geben und du kannst sie nicht überdosieren.

00:25:57: Du musst keine Anträge stellen.

00:25:59: Du kannst wirklich jeden Menschen als Geschenk machen.

00:26:03: Nur musst du erst mal selber dich so akzeptieren wie du bist.

00:26:09: Das heißt, du brauchst Selbstakzeptanz um einen anderen Menschen in seinem Anderssein vor allem wenn er sehr anders ist als du akzeptierend zu können.

00:26:17: und da denke ich ist noch viel zu tun dass die menschen eben gucken hinter ihre Ichmaske und ihr selbst anschauen und da gucken akzeptiere ich mich.

00:26:30: so wie ich bin liebe ich michso wie ich Bin.

00:26:34: wer darauf nicht mit Ja antworten kann Der muss da wirklich anfangen.

00:26:39: Und wenn wir die Selbstakzeptanz haben, dann wird der Schritt zur Akzeptanz einfacher als das jetzt noch scheint und wir werden das vielleicht schaffen in einer inklusiven Gesellschaft leben zu können, die all ihren Menschen – egal wie anders sie sind – genügend Raum- und Platzhilfsmittel gibt.

00:27:02: Wir dann eine Gesellschaft haben für alle lebenswert ist, dass aber wie gesagt Zukunft es gibt kein heute.

00:27:13: Also es gibt nur das Heute, sorry, gibt nur heute.

00:27:15: Es gibt kein Gestern und keinen Morgen.

00:27:18: Das sind sprachliche Sachen!

00:27:20: Und wir werden immer wieder von den Medien und allen möglichen von der Gesellschaft auch dazu gezwungen in die Zukunft zu gucken.

00:27:30: Wir haben eben August schon Weihnachtssachen in den Läden.

00:27:32: Das heißt da sagen sie schon Achtung Weihnachten!

00:27:36: Wir können, also es wird immer schwerer im Hier und Jetzt zu leben.

00:27:40: Und da müssen wir wieder hin weil nur hier können wir das ändern.

00:27:43: Dann hätte ich gesagt, fangen wir doch gleich im Hier und Jetzt an.

00:27:47: Du hast uns jetzt sehr, sehr gute Impulse dafür mitgegeben, liebe Guy!

00:27:51: Ich sage vielen herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für den Podcast heute.

00:27:56: Dass du dich auch überwunden hast – auch wenn es etwas ganz Neues ja für dich war – und dich eben auf diese neue Aufgabe eingelassen hast und uns in deine Lebenswelt mitgenommen hast ein Stück weit.

00:28:10: Ich wünsche dir, liebe G, für die Zukunft alles Liebe und vielleicht sehen wir uns ja bald wieder mal in Linz persönlich.

00:28:17: Gerne!

00:28:19: Gerne... ich habe nämlich vergessen, Linzer Tote zu kosten.

00:28:22: Oh,

00:28:22: da musst du sofort wiederkommen.

00:28:25: Oder?

00:28:25: Denke ich auch noch.

00:28:27: Das fahrlässig aber gut.

00:28:31: Ja, ich danke.

00:28:32: Ich konnte eine neue Erfahrung machen und die ist positiv verlaufen.

00:28:36: das ist für mich sehr wertvoll

00:28:38: Schön.

00:28:38: Wunderbar!

00:28:39: Dann sage ich danke auch Ihnen, liebe Hörerinnen.

00:28:42: das war Episode vierzig von Dialog.

00:28:45: Wir erscheinen immer am ersten Dienstag im Monat bewertet dem Podcast gern gleich noch auf der Podcast-Plattform Eures Vertrauens zum Beispiel auf Spotify oder auf Apple Podcasts und wir hören uns dann wieder in vier Wochen.

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